Jörg Zittlau wurde 1960 in Düsseldorf geboren, wo er später auch studierte: Philosophie, Biologie, Soziologie und Sport. Sein eigentlicher Arbeitsschwerpunkt wurde jedoch das Herausgeben einer satirischen Zeitschrift, die für Irritationen beim Hochschulpersonal sorgte. Aber dort fand man eine elegante Lösung für das Problem: 1990 verlieh man dem unbequemen Studenten - für eine Dissertation zum genial-kaputten Philosophen Otto Weininger - den Dr.phil. Fortan wurde er an der Uni nicht mehr gesehen.

Ab 1986 forschte und lehrte Zittlau an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in NRW. Er beschäftigte sich mit Lügen, Konflikten und anderen Themen der Polizeipsychologie  - und mit dem Gesundheitsverhalten in Behörden. So beobachtete  er zusammen mit seinen Studenten, wie lange Beamte für den Verzehr eines Mittagessens in der Kantine brauchten. Die Antwort: acht Minuten, aber einige männliche Exemplare schafften es auch in fünf. Die Geschichte vom trägen Beamten ist also nur eine böswillige Legende.  

 

Vom Elfenbeinturm ins Dorf

Der junge Dozent erkannte, dass sich für Wissenschaft durchaus ein breiteres Publikum gewinnen lässt. Vorausgesetzt, sie wird verständlich, witzig, spannend und alltagsrelevant präsentiert. Also wechselte er 1992 zum Wissenschaftsjournalismus.

Seine ersten Schritte als freier Autor unternahm Zittlau in einem mittelfränkischen Dorf, wo er mit einem Holzofen gegen die Winterkälte ankämpfte. Später ging es über Fürth weiter nach Bremen. Dabei entstanden über 60 Bücher. Sie beschäftigten sich zunächst mit Volks- und Naturheilkunde, später erweiterte sich ihr Spektrum auf andere Themenbereiche, wie etwa Zoologie (Warum Robben kein Blau sehen und Elche ins Altersheim gehen) und Medizingeschichte (Matt und elend lag er da. Berühmte Kranke und ihre schlechten Ärzte).

 

 

Vom Autor zum Onkel

Insgesamt wurden die Werke des Wissenschaftsjournalisten in 20 Sprachen übersetzt. Die  philosophische Rolltreppe schaffte es in die Türkei und Buddha für Manager - mehr "Eulen nach Athen" geht kaum noch! - bis nach Süd-Korea.  Darüber hinaus arbeitet Zittlau für Zeitungen und Zeitschriften, darunter Psychologie heute, Die Welt und Spiegel Wissen. In der Freien Presse beantwortet er als Onkel Max die Fragen neugieriger Leser, wie etwa "Stimmt es, dass Indianern kein Bart wächst?"

 

Kooperationen

Obwohl er lange Zeit einsiedlerisch mit Holzofen und Sickergrube verbrachte - mittlerweile pflegt Zittlau auch die Zusammenarbeit mit anderen Autoren:

  • Für das Buch zum Anti-Fastfood-Film Supersize me (vom US-amerikanischen Regisseur Morgan Spurlock) verfasste er das Nachwort. 
  • In Anthologien findet man ihn neben Autoren wie Vince Ebert, Peter Scholl-Latour  und Richard Dawkins.
  • Mit der Ernährungswissenschaftlerin Annette Sabersky analysiert er die Produkte und Strategien der Lebensmittelindustrie.
  • Mit dem Tübinger Neurobiologen Niels Birbaumer verknüpft er Hirnforschung mit  Philosophie. 2015 erhielten sie den Preis für das Wissenschaftsbuch des Jahres. Ihr aktuelles Werk trägt den Titel: Denken wird überschätzt. Warum unser Gehirn die Leere liebt. Die Autoren kommen darin zu dem Fazit, dass es zweifelsohne beruhigt, das Leben erklären zu können. Doch lebendiger fühlen wir uns, wenn wir vom Unerklärlichen überwältigt und mitgerissen werden. Was gerade für einen Wissenschaftsjournalisten eine Erkenntnis ist, die man erst einmal verdauen muss.....